Sittich-und-Papagei ● Alles rund um die artgerechte Haltung der exotischen Vögel

Den Vogel verstehen

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Den Vogel verstehen

Um mit dem Vogel gut umgehen zu können, ist es notwendig, sein Verhalten schnell und richtig zu deuten. Vieles wird man mit der Zeit von selbst merken, allerdings gibt es vor allem für Anfänger einige Dinge, die man wissen sollte. Dies sind die wichtigsten, grundlegensten Verhaltensmuster:

Der Vogel flieht von Natur aus vor dem Menschen. Das ist wahrscheinlich das erste, das jeder Vogelhalter bemerken wird. Dies liegt daran, dass Sittiche und Papageien Fluchttiere sind; in der Natur sind sie Fressfeinden ausgesetzt und müssen vor ihnen flüchten, um zu überleben, da sie sich in der Regel nicht ausreichend verteidigen können. Zwar ist der Biss schon bei den Kleineren schmerzhaft, um ein Raubtier abzuhalten, genügt dies jedoch nicht. Zudem haben Menschen, wie die vielen anderen Räuber, beide Augen nebeneinander nach vorne sitzen. Dies ist ein erneutes Alarmsignal für die Vögel. Um ihnen die Angst zunehmen, sollte man anfangs also nicht mit dem Blick auf sie gerichtet, sondern leicht zur Seite geneigt auf sie zugehen. Mehr zum Zähmen auf "Wunschtraum Handzahm".

Sittiche und noch intensiver Papageien senden dem Gegenüber Alarmsignale, um zu zeigen, dass sie sich bedroht fühlen und angreifen könnten. Ich habe die Beobachtungen gemacht, dass Sittiche meist eher
fliehen, Papageien allerdings möchten ihren Platz manchmal verteidigen. Da die großen Arten auch in der Natur weniger Feinde haben bzw. sich deutlich besser zur Wehr setzen könnten, ist dies unter Umständen darauf zurückzuführen. Ist dies dann der Fall, sollte man dem besser nachkommen, da ernst gemeinte Bisse größerer Papageienarten schwer verletzen könnten. Die Signale für einen bevorstehenden Angriff können Aufplustern, "Blitzen" mit den Pupillen, leichtes Abstellen der Flügel, Knurren oder Schreien, ein ständiges, starres Beobachten des "Eindringlings" und eventuell individuelle Signale eines Vogel sein. Das richtige Reagieren kann hier mitunter gar nicht so leicht sein. Einerseits will man den Vogel natürlich nicht bedrohen und selbst unversehrt bleiben, andererseits kann es Situationen geben, in denen man sein eigenes "Revier" gegenüber dem Vogel verteidigen würde, um ihm zu zeigen, dass es auch für ihn Grenzen gibt. Befindet man sich im Gebiet des Vogels, ist selbstverständlich Verschwinden die einzig richtige Alternative. In diesem Moment muss man am besten selbst herausfinden, wie man auf den Vogel am besten reagiert, da es hier große individuelle Unterschiede geben kann, was auch stark von der Aufzuchtsart abhängt; Handaufzuchten haben dem Menschen gegenüber keine natürliche Scheu mehr und sind deshalb angriffslustiger, da sie die Angst vor der Berührung des Menschen, aber somit auch die Beißhemmung verloren haben.


Papageien und Sittiche sind sehr neugierig. Und das dürfen sie auch! In der Wildnis müssen sie sich ihre Nahrung selbst erarbeiten, wofür sie teilweise sehr kreative Einfälle haben (müssen), um an die besten Nahrungsmittel zu kommen. Außerdem sind sie sehr intelligent, was sicher auch zu ihrem Forscherdrang beiträgt. Gleichzeitig sind sie aber auch sehr vorsichtig, da es verschiedenste Gefahrenquellen geben kann. Man sollte seine Vögel ruhig alles mögliche selbst Erkunden lassen und muss ihnen deshalb auch regelmäßig neues Spielzeug zum Entdecken und zerstören anbieten (mehr hierzu unter "Beschäftigung"). Problematisch wird es allerdings dann, wenn die Vögel sich zum Beispiel Kabel oder Möbel ausgesucht haben. Solche Dinge muss man nicht nur für sich selbst, sondern auch zum Wohle der Tiere schützen. Man kann sie in diese Richtung gehend trainieren, womit wir beim nächsten Thema wären.


Papageien trainieren
 
 
Papageien zu trainieren ist nicht so einfach wie einem Hund Kommandos beizubringen. Die Voraussetzung für die eigentlichen "Befehle" erfordern Zahmheit dem Halter gegenüber, was allein schon sehr anstregend sein kann. Ein wirkliches Training im eigentlichen Sinne betreiben allerdings nur die wenigsten Halter, da es sehr zeitintensiv und nicht immer von Erfolg gekrönt ist. Wichtig ist, dass man immer nur in kurzen Sequenzen übt und den Vogel somit nicht überfordert oder langweilt. Man muss sich außerdem immer bewusst sein, dass der Vogel nicht einfach funktionieren muss, sondern immer einen teilweise sehr starken eigenen Willen hat und dies auch zeigen kann.

Nein! Dies sollte jeder Papagei oder Sittich kennen, denn man muss es ihm nicht einmal besonders anerziehen. Ein lautes, starkes "Nein!" schreckt den Vogel auf, er merkt normalerweise von selbst, dass er etwas falsch gemacht hat, da er den Tonfall der menschlichen Stimme in der Tat deuten kann, zumindest die grundlegende Intention. Geht der Vogel also an ein Kabel oder landet an Plätzen, an denen er es nicht darf, reicht oftmals ein Ruf (eventuell mit Aufstehen dazu) aus, um dem Vogel das klarzumachen. Einige Halter berichten von Tieren, die an einer besonders interessanten Stelle immer und immer wieder "gegen die Regeln verstoßen". Ein Befehl in einer anderen Sprache habe hier erstaunlicherweise geholfen. Wahrscheinlich ist dies ein neuer Sprachklang, den die Vögel nicht kennen und deshalb besonders aufmerksam sind. Auch kann man davon ausgehen, dass vor allem den größeren Papageien die Regeln durchaus bewusst sind, denn es kommt mitunter sogar vor, dass der eine Vogel seinem Partner mit einem leichten Zwicken oder Hacken klarmacht, dass das, was er gerade tut, falsch ist.

Auf und Ab. Diese Kommandos kann man seinem Vogel, wenn er zahm ist, ganz nebenbei beibringen.
Jedesmal, wenn er auf die Hand steigt, sagt man freundlich, aber bestimmt "Auf!" bzw. beim Hinabsteigen "Ab!". Meistens gewöhnen sich die Tiere schnell an diese Worte und kennen die Bedeutung, was es wesentlich einfacher machen kann, den Vogel zum Beispiel beim Tierarzt oder beim Setzen in die Voliere zu händeln, da er in einer unsicheren Situation von einer Vetrrauensperson erfährt, was er jetzt tun sollte.

Dies sind die Grundkommandos. Darüber hinaus kann man den Tieren natürlich noch andere Dinge beibringen (oder es lassen), wenn man es möchte. Der Fantasie sind hiebei kaum Grenzen gesetzt, wie einige
Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, es gibt reichlich Material im Internet. Viele Halter haben ihren Papageien so auch beigebracht, wo sich die "Toiletten" für sie befinden, sodass sie zum Beispiel nur in der Voliere oder an anderen bestimmten Plätzen machen. Der Weg hierhin führt über mehrmals wiederholte und am besten auch durch Belohnungen verstärkte Situationen, in denen dem Vogel erwünschte Verhaltensweisen gezeigt werden. Eine Trainigsmethode ist auch das sogenannte Clickertraining, zu der es reichlich Litaratur gibt.


Bestrafungen sollte man bei Papageien vermeiden. Positive Verstärkungen bringen wesentlich mehr als das Betrafen, da sie zum Beispiel beim Einsperren in die Voliere bei "falschen" Verhaltensweisen die Voliere mit negativen Empfindungen verbinden, was selbstverständlich mehr als schlecht ist.


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